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Einweihung des Ehrengrabes von Gerda Jo Werner

Das Relief der 50-Pfennig-Münze ist auf der Grabplatte angebracht, eine Tafel informiert über die Stätte, ein Gesteck aus Waldpflanzen und gesammelte Wald-Symbole zieren das Ensemble: Am vergangenen Freitag wurde im Rahmen einer Feierstunde das Ehrengrab der Oberurseler Künstlerin Gerda Johanna „Jo“ Werner auf dem Alten Friedhof eingeweiht.
Damit wird nun einer besonderen Frau gedacht, die für ihr künstlerisches und berufliches Wirken im Jahr 1994 mit der Ehrenmedaille der Stadt Oberursel ausgezeichnet wurde. Aufgrund ihrer Bedeutung als Künstlerin und Kunstdozentin erkannte sie die Stadt Oberursel als eine bedeutende Persönlichkeit an. Mit einem Magistratsbeschluss im letzten Jahr wurde ihre Grabstätte in ein Ehrengrab umgewandelt.
„Jedes meiner Bilder hat für mich Kontakt zur Ewigkeit, soll Gerda Johanna Werner einmal gesagt haben“, erklärte Bürgermeisterin Antje Runge in ihrer Ansprache und ergänzte: „Und damit hatte sie Recht. Dank ihrer Bilder sind wir heute über 20 Jahre später mit ihr verbunden. Wir erinnern uns an sie erinnern, an ihre Kunst und ihr Wirken für Oberursel.“
Bei Sonnenschein und angenehmen Frühlingstemperaturen waren rund zwanzig geladene Gäste zu der Feierstunde gekommen. Darunter Angehörige, Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler, Erster Stadtrat Jens Uhlig, Mitglieder des Magistrats, Vertretungen der Gremien und Frauen aus dem letzten Kunstkurs, den Gerda Jo Werner unterrichtete. „Sie war ein ganz außergewöhnlicher Mensch, ihr Atelier ein ganz außergewöhnlicher Ort. Sie hat uns sehr in der Entwicklung geprägt, und wir sind alle noch heute künstlerisch tätig“, formulierte es die Oberurselerin Birgit C. Morgenstern, die für ihr Grußwort alle weiteren Künstlerinnen hinter sich versammelt hatte.

Gerda Jo Werner selbst begann im Jahr 1936 mit ihrer Ausbildung an der Städelschule Frankfurt. Allein das ist schon besonders, so durften Frauen an Kunstakademien erst ab dem Jahr 1919 studieren. Nach ihrem Abschluss war sie als selbstständige Malerin tätig und malte Aquarelle, später Ölbilder. Ihre Werke stellte Werner in Frankfurt, Hannover, Darmstadt und Paris aus. Anfang der 1950er-Jahre studierte sie am Pädagogischen Institut Weilburg Kunstpädagogik und Psychologie. Über Jahrzehnte hinweg unterrichtete sie an der Gesamtschule Oberursel, der Feldbergschule und der Volkshochschule. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst gab sie in ihrem Atelier weiter Privatunterricht.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich ganze Generationen aus Oberursel liebevoll an „ihre Kunstlehrerin“ Gerda Jo Werner erinnern. Bundesweit wurde diese darüber hinaus als die Frau auf der 50-Pfennig-Münze bekannt. Erst in den 1980er-Jahren war diese Begebenheit publik geworden und hatte der Oberurselerin so manchen Fernsehauftritt beschert.
In Würdigung dieser Geschichte und anlässlich der Einweihung ihres Ehrengrabs hatte die Stadt Oberursel vor rund zwei Wochen die Aktion „1000 Eichen im Gedenken an Gerda Jo Werner“ im Stadtwald durchgeführt und berichtete bereits ausführlich. Gemeinsam mit vielen kooperativ beteiligten Institutionen wurde auch auf diese Weise ein Denkmal für die Zukunft geschaffen. Es soll nicht nur an Gerda Jo Werner erinnern, sondern auch an die Leistung der sogenannten Kulturfrauen, die sich in der Forstwirtschaft um das Pflanzen und Pflegen junger Bäume kümmerten und nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Wiederaufforstung der zerstörten Wälder beteiligt waren.
Antje Runge
Bürgermeisterin
Fotos (Quelle: Stadt Oberursel)
- Bürgermeisterin Antje Runge und Ersten Stadtrat Jens Uhlig
- Bürgermeisterin Antje Runge und Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler